Leben am Mond – Beziehungen am Prüfstand

Stell dir vor, du kannst dir im Webshop ein Ticket für das Space-Schuttle buchen und jederzeit auf den Mond fliegen. Einmal Mond und zurück – klick – in den Warenkorb – klick – bezahlen – klick, und ab geht die Reise. Urlaub einmal ganz anders. Diese Utopie könnte schon bald zur Wirklichkeit werden. Im Moment endet die einzige gesicherte Weltraumdestination für Menschen noch bei der ISS Raumstation in gerade einmal 400km Höhe über der Erde – immerhin per Definition auch schon im Weltall, das bei etwa 100km über uns beginnt. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis private Raumfahrtunternehmen die weiteren 384.000kkm bis zum Mond sicher bewältigen können?

Ich fürchte, hinter der Aussage des Chefs der Europäischen Space Agency in diesem News-Artikel vom 18.9.2022, wonach sich der Mond zu einem Wirtschaftsraum entwickeln wird, steckt eine andere Idee als der fantasievolle Gedanke einer neuen coolen Urlaubsdestination. Deshalb möchte ich meine Leser schon jetzt dazu einladen, mit mir über die Problematik der zukünftigen Kolonialisierung des Mondes nachzudenken.

Malen wir uns aus, wie es da oben zu gehen würde, wenn wir Menschen wirklich beginnen, Rohstoffe am Mond abzubauen. Wie ungewohnt und seltsam es aussehen würde, wenn auch am Mond schwere Baumaschinen Löcher in den Boden graben und wenn auch am Mond auf einmal Bohrtürme in den Himmel ragen würden. Wie weit wäre wohl das Grollen und der Lichtball von den Sprengladungen am Mond in Richtung Erde zu hören und zu sehen?

Würden auch hier Bergwerke unter und über „Tag“ entstehen, wo hunderte Menschen in entsprechender Schutzkleidung arbeiten. Wer würden diese am Mond arbeitenden Menschen dann wohl sein. Welchen Charakter hätten die ersten Mondarbeiter? Werden es Sträflinge sein, die auf der Erde gegen Gesetze verstoßen haben und am Mond Strafarbeit verrichten müssen? Oder werden es eher Freiwillige sein, die es ins Abenteuer zieht, weil sie sich davon wirtschaftliche Vorteile versprechen? So wie vor einigen hundert Jahren die Europäer, die letztendlich die ganze Erde erkundet und wirtschaftlich erschlossen haben?

Ich persönlich vermute eher Zweiteres. Aber egal wie es kommen wird. Eine spannende Frage stellt sich jedenfalls: Wem gehört eigentlich der Mond? Ein interessantes Thema mit jeder Menge politischem Sprengstoff für die Menschen auf der Erde. Das Problem der gerechten Verteilung des Territoriums beschäftigt uns auf unserem Heimatplaneten schon seit wir denken können. Gelöst ist es angesichts der vielen Kriege um sinnlose Grenzen offensichtlich noch immer nicht.

Vielleicht können wir uns schon jetzt gemeinsam überlegen, wie wir die zukünftigen menschlichen Beziehungen in einer Kolonie am Mond gestalten wollen …