Sky-Diven war für mich lange Zeit das Erleben von Freiheit pur. Sich frei wie ein Vogel durch die Lüfte zu bewegen ist definitiv das Anspruchsvollste, was ich je in meinem Leben gemacht habe. Sich in der Luft, ohne Boden unter den Füssen zu bewegen, gleicht der Entdeckung eines neuen Lebensraums.
Mein Hirn hatte viel zu tun, bei den ersten 30 Sprüngen aus dem Flugzeug. Die Überwindung, aus einer offenen Flugzeugtüre zu springen, war nicht das Problem. Mutig war ich schon immer. Aber meinem Körper beizubringen, dass er auch am Himmel in einer neuen Situation das macht, was er am Boden darüber gelernt hat, war harte Arbeit.
So wie du am Boden krabbeln, stehen und gehen lernen musst, so wie du im Wasser schwimmen und tauchen lernen musst, so musst du auch lernen, dich am Himmel richtig und sicher zu bewegen.
Dazu lernst du am Boden, auf einem Wagerl liegend, die klassische Freifallhaltung. Tiefster Punkt ist dabei der Nabel. Also Bauch raus, Po nach hinten und die Hände und Beine X-förmig weit ausgestreckt.
OK, verstanden. Nachdem du vor dem Trainer am Boden beste Figur gemacht hast, geht es ab ins Flugzeug, rauf in den Himmel, raus aus dem Flieger und schon übst du live das „Bauchfliegen“.
Eigentlich sollte diese einfache Haltung für einen geraden, stabilen Fall sorgen und die Basis für jede weitere Bewegung am Himmel sein. Nun ja, das hat bei mir lange nicht funktioniert.
Bis zum 23ten Sprung taumelte ich teilweise wild rotierend zu Boden. Mein Körper schien im freien Fall einfach fluguntauglich zu sein. Nach der Öffnung am Schirm hängend, fragte ich mich immer wieder, was ich falsch machen würde. Als dann beim nächsten Mal mein Trainer mit mir aus dem Flugzeug gesprungen war, und mir am Boden ein Video meines freien Falles gezeigt hatte, war alles klar.
Meine Körperhaltung im freien Fall glich der, eines vor Angst eingerollten Igels. Keine Spur von der am Boden gelernten durchgestreckten Freifallhaltung. Echt peinlich, wenn der Kopf glaubt, er hätte den Körper jederzeit unter Kontrolle, auch in der Luft ohne Boden unter den Füssen. Willkommen in einer neuen Dimension!
Aber kein Problem, beruhigte mich mein Trainer. Jetzt kennst du das Problem und das nächste Mal, wenn du aus dem Flugzeug springst, schreist du, so laut du kannst „Fuck the Earth!“.
Gesagt, getan! Ab dem Moment, als ich der Erde beim nächsten Sprung aus dem Flugzeug laut brüllend mitgeteilt hatte, dass ich sie -frei übersetzt- „beglücken werde“, flog ich entspannt und kontrolliert in perfekter Freifallhaltung mit 200 km/h vom Himmel.
Ich denke, die Erde hat mir den „F“-Spruch damals nicht übelgenommen. Es hat mir jedenfalls geholfen, meine unbewusste Körperspannung am Himmel dauerhaft zu lösen. Vielleicht kann ich mit meinen Geschichten jetzt der Erde Entspannung bringen. Sie plagt sich nämlich ganz ordentlich mit uns Menschen, was die Planetennachbarn so erzählen …