Im digitalen Zeitalter herrschen die kalten Nullen und Einsen. In automatisierten Rechenketten sorgen sie für schnelle Datenverarbeitung. Das Nachdenken über natürliche Größenordnungen verliert an Bedeutung. Im Alltag der Konsumwelt wird das Adjektiv super, welches per Definition keine Steigerungsstufe kennt, gnadenlos durch Präfixe wie „Mega“ und „Giga“ ersetzt. Beim Speichervolumen sind wir darüberhinaus schon längst bei Terra- und Yottabyte angelangt. Apropos, wer weiß eigentlich noch, was ein Byte ist?
Ein Byte ist eine Folge aus 8 Bit. Und ein Bit ist der Informationsgehalt, der in einer Auswahl aus zwei gleich wahrscheinlichen Möglichkeiten enthalten ist. Für den Computer ist ein Bit also die einfache Frage, ob er es als nächsten Input mit einer Null, oder einer Eins zu tun bekommt, bevor er einen Output generieren kann. Das entspricht den Möglichkeiten, die wir auch mit einem gewöhnlichen Lichtschalter haben. Licht an = Eins, Licht aus = Null. Der Informationsgehalt eines Lichtschalters ist also auch genau ein Bit. Wie beim Morsen ergibt sich erst aus der unterschiedlichen Abfolge von Einsen und Nullen die Explosion an verschiedenen Informationsmöglichkeiten. Je schneller nun diese Bit-Ketten verarbeitet werden können, desto mächtiger wird die automatisierte Informationsgenerierung.
Aber welche Informationen erzeugen diese Maschinen eigentlich? Wer gibt den Bits und Bytes einen Bezug zur Realität, wenn es um mehr als um die Konsequenz von Licht oder kein Licht geht? Wer behält die Funktionalität unserer immer komplexer werdenden Welt im Auge? Das zunehmend automatisierte anonyme Schöpfen von Wissen überfordert den einfachen Menschen. Wir brauchen dringend ein nachvollziehbares, globales Wissensmanagement für die Menschheit. Vielleicht eine bodenständigere Wissenschaft 2.0? Oder sollen wir die digitale Welt zukünftig wieder nur dem banalen Glauben überlassen?